Für eine freie, deutsch-europäische Föderalkultur!

Am 13. August 1989 wurde unser unabhängiges Institut in Hamburg als Verein gegründet. Den wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der damals noch existierenden Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken (UdSSR) und damit auch der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) als deutschem Teilstaat erahnend und die geschichtliche Notwendigkeit einer Lösung der damals offenen "deutschen Frage", die zugleich eine europäische war, vor Augen, suchten wir nach Wegen und Formen für den Aufbau einer deutschen wie gesamteuropäischen Föderalkultur. In diesem Sinne nahmen wir in den Jahren 1989 und 1990 an Vorgängen gesellschaftlicher Umgestaltung, die später mit dem Wort "Wende" umschrieben wurden, aktiven Anteil. Das geschah uner anderem durch Austausch und Zusammenarbeit mit Menschen, die sich unmittelbar und in organisierter Form, wie "Neuem Forum" oder "Rostocker Bürgerrat", für eine Demokratisierung der Gesellschaft einsetzten. Die historischen Vorgänge zwischen 1988 und 1991 hatten uns, hinsichtlich unserer Einschätzung gesellschaftlicher Verhältnisse in beiden deutschen Teilstaaten und im übrigen Europa, vollauf bestätigt.

Seit den späten 1990er Jahren beziehen wir auch den eurasischen Kulturraum, also die Russische Föderation und die Völker des Ural, in unsere Institutsarbeit ein. Uns ist bewusst, dass auch der Ural letztlich keine geschlossene Kulturgrenze darstellt, gleichwohl bildet er die von uns erwählte geopolitische Bezugsgröße für die Ostgrenze des europäischen Kontinents.

Im Westen zeigen sich unseres Erachtens die Hauptmerkmale europäischer Kultur bis hin zu den ehemaligen britischen Kolonien und heutigen EU-Mitgliedern im Atlantik, wie den Falklands, sowie bis hin zu den ehemaligen französischen Kolonien im Indischen Ozean (z. B. La Reunion).

Was den kulturellen Einfluss Dänemarks und Norwegens anbetrifft, weist Grönland, hinsichtlich seines kulturellen Alltags und seiner geopolitischen Ausrichtung  viele Merkmale europäischen Kultureinflusses aber auch Nordamerikas auf. Daher endet im Westen der unmittelbare europäische kontinentale Kulturraum aus unserer Sicht (mit Ausnahme der Falkland-Inseln) an der Westküste Islands und der Kanarischen Inseln sowie irgendwo auf Grönland.

Im Südosten bildet, bei allen politischen und kulturellen Vorbehalten, die Ukraine den europäischen Kulturausläufer hinter dem Balkan, während im Süden die Inselstaaten Malta und Zypern Europas Grenzregionen gegenüber dem Orient bzw. Afrika darstellen. In der  südöstlich gelegenen Türkei als Gesamtstaat erblicken wir ein politisches Gebilde mit europäischen wie asiatischen und orientalischen Einflüssen. Zum europäischen Kontinentalgebilde kann sie unseres Erachtens nicht als Ganzes gezählt werden.

Ebenso gehört der postkoloniale Magreb nicht wirklich zum europäischen Kulturraum, wenngleich die Staaten am südlichen Rand des Mittelmeeres kulturelle Merkmale der europäischen und nordamerikanischen Moderne in sich tragen und ständig soziokulturelle Impulse durch den Tourismus erhalten, wenn auch meist nicht gehobener Art. Hinzu kommen in allen genannten Weltgegenden die kommerziellen, politischen und militärischen sowie interkulturellen Beziehungen und Querverbindungen.

Deutschland ist für uns die geopolitische wie kulturelle Mitte Europas, eine Gegebenheit, der sich jegliche gesellschaftsbezogene Analyse oder Perspektive zu stellen hat. Gleichwohl ist uns bewusst, dass die geografische Mitte in Litauen liegt. Eine Mittellage erheischt vernunftgemäß, sich bewusst in einem sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Umfeld zu bewegen, dessen Interessenlagen und Daseinsbedingungen wie auch kulturellen Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Eine andere Orientierung führt erfahrungsgemäß mittelfristig in eine Sackgasse oder gar in die Katastrophe. Demzufolge halten wir, trotz vieler Fehler und Mängel, den deutschen Föderalismus, in Verbindung mit dem europäischen Subsidiaritätsprinzip, für grundlegende politische Elemente im Hinblick auf den Auf- und Ausbau eines "Europäischen Hauses", welches in erster Linie nicht durch multinationale Konzerne, Bank-Konsortien und militärische Bündnisse, sondern durch die in diesem Kontinentalgebilde lebenden Menschen repräsentiert wird.

Unseres Erachtens gilt es, sich heutzutage Wege zu erschließen, die zu einem kontinentalen Miteinander führen, das sich in erster Linie nicht an rücksichtsloser Gewinnsucht und Dominanz orientiert, sondern an Prinzipien, wie Freiheit, sozialer Verantwortung, ökologischer Rücksicht und Nachhaltigkeit sowie der ausgleichenden Gerechtigkeit. Entgegen diesen Prinzipien laufende, meist wirtschaftlich aber auch religiös und ideologisch motivierte politische Handlungsansätze haben in den vergangenen 2000 Jahren europäischer Geschichte ganz Europa, und damit auch seiner deutschen Mitte grundlegend geschadet. 

Im Zeitalter des Internets stehen wir alle vor der Herausforderung, einerseits den inneren Frieden, andererseits den geistigen wie kulturellen Austausch und wirtschaftspolitischen Ausgleich mit außereuropäischen kontinentalen Großgebilden anzustreben, also mit Afrika, Asien und ganz Amerika.

Wie fragil allein die innereuropäische Lage ist, zeigte sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre angesichts des Bürger- und Nationalitätenkrieges im damaligen post-titoistischen Jugoslawien. Dafür, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederholt, gibt es keine Garantie. Allerdings können die innereuropäischen Nachbarn mit dafür sorgen, die Gefahr einer Wiederholung zu bannen. Dies gilt auch bei innergesellschaftlichen Konflikten, wie beispielsweise in der nordirischen Provinz Ulster. Eine gesamteuropäische Föderalkultur zu entwickeln, kann unseres Erachtens eine dienliche Form für eine gedeihliche Entwicklung unseres Kontinents sein.  

Die internationale Lage, derzeit einerseits gekennzeichnet durch Krieg und Massenflucht, andererseits durch technologischen und wirtschaftlich-struktureilen Wandel und Chancen-Reichtum voller Alternativen, stellt eine globale Herausforderung dar, die lokal, regional, national und gesamteuorpäisch angegangen werden muss. Die Deutschen wie alle Europäer sind gehalten, nach friedensstiftenden Lösungen zu suchen, die Formen des angemessenen Interessenausgleichs mit Menschen in außer-europäischen Weltregionen mit einschließen.

Als Institut und als Mitglied von Netzwerken sind wir bestrebt, Zustände und Vorgänge nicht nur zu beobachten und zu reflektieren. Wo wir es als passend und für notwendig wie durchführbar erachten, wirken wir gestaltend mit.


Bretonische Regionalisten
feierten 1990 in ihrer Publikation die deutsche Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit (1989), und zwar unter dem programmatischen Motto
"Von Deutschland zur Bretatgne"
Fidea-Aktion zur Förderung des öffentlichen Bewusstseins über die Zugehörigkeit baltischer Nationen, in diesem Falle Lettlands und Litauens, zu Europa, anlässlich eines Karnevals der Kulturen in Hamburg
(an der Mandoline: Fidea-Mitglied und Musiker Nikolay Bakulin aus Russland)

Das Fidea beteiligt sich an Diskursen zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen. Das Institut ist Kooperationspartner von Personen, Organisationen und Einrichtungen vor allem in 'Ost' und 'West', und zwar in gesellschaftsbezogenen Tätigkeitsbereichen, wie politische Bildung, Raum- und Regionalplanung, Demokratie-Entwicklung und kulturelle Entfaltung im Sinne einer sozial und ökologisch rücksichtsvollen gesellschaftlichen Entwicklung, eine wirtschaftliche Entfaltung mit einschließend, welche die materiellen Voraussetzungen und Bedingungen für eine deutsche und europäische Föderalkultur schafft.

Wir unterstützen, in unserer Eigenschaft als Nichtregierungsorganisation (NRO), die Vernetzung freier Menschen und Initiativen in ganz Europa. Im internationalen Kommunikationsfeld wird diese Organisationsform, unter Verwendung des englischen Begriffs, als "nongovernmental organization" (NGO) bezeichnet. Allerdings ziehen wir die Zusammenarbeit mit identischen Organisationen vor, deren aktive Mitglieder und Delegierte in verantwortungsvoller Weise für ihre Ziele eintreten. Wir haben keinerlei Interesse daran, Alibi-Vereinigungen oder unlauter agierende Karrieristen-Clubs zu fördern. Darum ziehen wir das Prinzip der eigenverantwortlichen Autonomie demjenigen der (vor allem finanziellen und organisatorischen) Absicherung in einem Großverband vor.

Vor dem Hintergrund des hier Dargelegten bietet das Fidea einen Beratungsservice an, und zwar zu folgenden Themen:

  • Unabhängige Publizistik
  • Förderung 'alternativer' Technologien
  • Politische und kulturelle Bildung (einschließlich Ideen- und Theorie-Geschichte sowie Organisationskunde) für Eigenständige und Gruppen
  • Geschichte und Gegenwart sozialer Bewegungen in Deutschland, Europa und Übersee
  • Wirtschaftsethik und -kooperation
  • Lokale bzw. regionale Entwicklung, Raumordnung und Kultur
  • Sanfter Tourismus auf ökologischer Grundlage
  • Aufbau von Struktur und Organisation auf föderativer Grundlage (zum Beispiel Vereine, Genossenschaften, Selbsthilfe-Zusammenschlüsse, freie Initiativen oder Netzwerke)
  • Austausch und Kooperation mit Partnern in Polen, im Baltikum, in Irland, Frankreich, Russland und Skandinavien sowie in den USA
  • Alltags- und Musikkultur Russlands
  • Lokale und regionale Heimatkunde sowie -pflege 
  • Veranstaltungswesen (Seminare, Konferenzen, Kongresse)
  • Formen 'alternativer' bzw. lokaler und regionaler Währungssysteme
  • Politische Betätigung ohne Parteibuch